Aktuelle Marktentwicklung im Raps

Die europäischen Rapspreise sind in der zweiten Dezemberhälfte weiter stark gestiegen.

Sie brachten den Durchschnitt im vergangenen Monat auf einen neuen Höchststand von 727 € (cif. Hamburg), ein Plus von 6% gegenüber dem Durchschnitt vom November und fast 80% über dem Vorjahresniveau. In den ersten sechs Monaten der Vermarktungsperiode 2021/22 schossen die Preise von dem im August verzeichneten Tiefstand von 528 € um 200 € in die Höhe. Im Schnitt lag der Rapspreis bei 630 € im Juli/Dezember 2021 deutlich über dem Vorjahresniveau von 394 €. 

Die relativ hohen Verarbeitungsraten in den ersten sechs Monaten der Saison erfordern im Januar/Juni 2022 eine erhebliche Bedarfsrationierung, vor allem in Mitteleuropa, wo Mühlen nur begrenzten Zugang zu importiertem Raps haben.

Vorläufige Daten für die EU-27 und das Vereinigte Königreich deuten auf einen weiteren Anstieg der Rapsverarbeitung gegenüber dem Vorjahr um insgesamt 5% im November hin. Aktuelle OIL WORLD Schätzungen gehen aufgrund unzureichender Inlandsproduktion und limitierter Verfügbarkeit auf dem Weltmarkt von einem Extraktionsrückgang in der EU um etwa 0,8 Mio. T im Juli/Juni 2021/22 aus.

 

Die bullischen Fundamentaldaten des Rapsmarktes überwiegen derzeit die preisdrückenden Faktoren, insbesondere die erwartete Erholung der weltweiten Versorgung mit Pflanzenölen, wobei die Preise für Rapsöl kurz- bis mittelfristig gut unterstützt und mit beträchtlichen Prämien gegenüber anderen Ölsaaten und Pflanzenölen gehandelt werden sollten. Es wird jedoch interessant sein zu sehen, wie der Markt den Übergang von extremer Knappheit, die sich im Januar/Juli 2022 abzeichnet, zu einer deutlich verbesserten Angebotssituation in der Saison 2022/23 bewältigen wird. Dies kann zu volatilen Preisentwicklungen führen und birgt Risiken für den Landwirt.

Vergleichsweise hohe Rapspreise und hervorragende Erträge pro Hektar im Jahr 2021 haben Berichten zufolge die Winterrapsaussaat in der EU-27 angekurbelt. Vorläufige OIL WORLD Schätzungen prognostizieren eine Gesamtfläche (inkl. Sommerraps) im Jahr 2022 von 5,6-5,7 Mio. ha, ein 4-Jahreshoch und ein Plus von 0,3 Mio. ha oder 6% gegenüber dem Vorjahr.

Dies schafft die Voraussetzungen für eine deutliche Erholung der Rapsernte in der EU-27 auf ein 5-Jahres-Hoch von ca. 18,3-18,6 Mio. T im nächsten Jahr (+1,0-1,3 Mio. T). Natürlich werden Wetterentwicklungen, d.h. potenzielle Auswinterung sowie die Bodenfeuchtigkeit im Frühjahr, die entscheidenden Faktoren sein, die es in den kommenden Monaten zu beobachten gilt.

Die gesamte EU-Rapsfläche liegt jedoch immer noch deutlich unter dem Niveau von 5,8-6,3 Mio. ha, das in den sechs Jahren bis 2018 bepflanzt wurde. Die Gründe dafür sind vielfältig. Gesetzesänderungen bezüglich der Saatgutbehandlungen (die Verwendung von Neonicotinoiden) sowie die Änderungen der Düngemittelverordnung haben in den letzten Jahren das Ertragspotenzial eingeschränkt und gleichzeitig zusätzliche bürokratische Belastungen für die Landwirte verursacht.

 

ISTA Mielke GmbH –Weltmarktforschungsinstitut, Hamburg